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Selbstfürsorge

Unsere kulturelle Besessenheit von Selbstfürsorge

Warum ich nichts von unserer kulturellen Besessenheit von Selbstfürsorge halte: Und was ich stattdessen tue.

Das Geschäft mit der Selbstversorgung boomt. Überall, wohin man schaut, gibt es Tipps, Produkte, TED-Vorträge und Social Media Posts über die Wichtigkeit der Selbstversorgung und die Konsequenzen, wenn man nicht genug bekommt.

Ich habe nichts gegen Selbstfürsorge. Ich habe kürzlich aus Spaß ein Quiz mit dem Titel „Wie pflegeintensiv bist du?“ teilgenommen und eine fast peinlich hohe Punktzahl erreicht. Die Wahrheit ist, ich mag meine Massagen, meine frisch gepflegten Haare und meine komplizierten Milchkaffees. Ich genieße meine Lernzeiten und die Spaziergänge mit meinem Hund im Wald.

Ich möchte aber einen alternativen – möglicherweise kontroversen – Standpunkt teilen:

Konzentrieren wir uns weniger auf unser wachsendes Bedürfnis nach Selbstfürsorge, sondern mehr darauf, uns ein Leben zu schaffen, vor dem wir gar nicht erst fliehen müssen.

Wovor laufen wir davon?

Ich glaube wirklich, dass unsere zunehmende Besessenheit von der Selbstfürsorge von unserer übervollen, zunehmend stressigen, niemals ausreichenden Kultur kommt. Wenn unser Leben immer chaotischer wird, versuchen wir das mit ausgefallenen Pralinen, dem Kauf eines neuen Outfits oder einem Schaumbad zu kompensieren.

Als Gesellschaft haben wir die Kunst verloren, unseren emotionalen und psychologischen Zustand wahrzunehmen, um zu wissen, wann wir einen Schritt zurücktreten müssen. Wann wir wieder langsamer werden müssen. Wir übertreiben es an allen Fronten und unsere bis zum Platzen gefüllten Zeitpläne sind ein Beweis dafür.

Schlimmer noch: uns wird gesagt, wir sollen Selbstfürsorge in unseren Kalender einplanen, als ob wir ohne dies zu tun, nie daran denken würden uns Zeit für uns selbst zu nehmen. Oder ist das vielleicht sogar der Fall? Wenn wir an einem normalen Dienstag nicht „30 Minuten trainieren“ oder „tief durchatmen“ eintragen, ist es dann möglich, dass wir diese Dinge ganz vergessen?

Was ich stattdessen tue

Es ist absolut nichts Falsches daran, zu meditieren, sich selbst eine Freude zu machen oder mehr Zeit in der Natur zu verbringen. All diese Dinge sind positiv und ich wage zu sagen, wesentlich für ein glückliches Leben.

Stattdessen ist das, was ich vorschlage, etwas komplexer:

Konzentrieren wir uns darauf Leben zu konstruieren, aus denen wir nicht regelmäßig ausbrechen möchten.

Ein Leben, in denen solche Freuden wie Bewegung und Lachen und Nickerchen nicht als extravagante Selbstpflegestrategien angesehen werden. Die müssen dann nicht extra in unseren Kalender eingetragen werden, sondern sind alltägliche Ereignisse. Ich habe dazu ein sehr gutes Buch gelesen, das mich zum Nachdenken gebracht hat, über meine Erwartungen an das Leben und über meinen viel zu hohen Anforderungen an mich. Von Stefanie Lorenz „Hätte ich mal…“* – Wie du ab sofort deine Träume lebst, bevor es eines Tages zu spät dafür ist.“ Der Titel sagt schon alles.

Ich weiß, alles nicht so einfach. Wir haben Jobs, Kinder und Verpflichtungen, die unsere Zeit und Aufmerksamkeit erfordern.

Aber ich wage zu behaupten, dass wir nicht völlig machtlos sind.

Beginnen wir damit anzuerkennen, dass während unser Leben hektisch ist und unsere Zeitpläne überfüllt sind, wir uns bewusst dazu verpflichten wollen einen Schritt zurück zu machen. Dann, bevor wir „ja“ zu noch einer Aktivität oder noch einer Veranstaltung sagen, machen wir eine Pause und überlegen, ob diese neue Verantwortung deinem Leben einen zusätzlichen oder geringeren Wert verleihen oder sogar entziehen wird.

Nehmen wir uns die Zeit, über unsere Grenzen nachzudenken und festzustellen, ob neue Grenzen errichtet werden müssen, um unser Selbst und unsere Zeit zu schützen. Das soll keine vorübergehende Veränderung sein, arbeiten wird daran, Erträge zu schaffen und unseres Lebens umzustrukturieren (so viel wie möglich und vernünftig möglich).

Es IST möglich, ein Leben aufzubauen, das Du liebst. Ein Leben, in dem Selbstfürsorge in unserer Routine verankert ist und nicht etwas ist, nach dem wir erst greifen, wenn das Leben überwältigend wird.


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