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Vertrauen mit dialogorientiertem Schreiben aufbauen

Wie Du durch dialogorientiertes Schreiben Vertrauen bei deinem Publikum aufbaust

7 Strategien, die Du anwenden kannst, um deine Leserinnen, deine Leser mehr einzubeziehen.

Neulich habe ich meine E-Mail gecheckt und diese Mail gelesen: Sie begann mit der Zeile „Sehr geehrte Damen und Herren: Bitte verzeihen Sie mir, wenn ich in Ihre Privatsphäre eindringe und ich darf Sie demütig um Ihr Vertrauen in dieser Angelegenheit bitten. Ich bin auf meiner privaten Suche nach einem zuverlässigen und seriösen Partner für dieses vertrauliche Geschäft auf Sie aufmerksam geworden”.

Das klingt wie etwas, das direkt aus einem Dickens-Roman stammt. Ich klickte schnell auf „Löschen“ und vermutete, dass es ein Betrug war.

Wahrscheinlich hast Du auch schon solche E-Mails erhalten. Und vielleicht hast Du auch über deren distanzierten, allzu formellen Ton geschmunzelt. Es scheint ein Markenzeichen dieser Art von Spam-E-Mails zu sein.

Vor nicht allzu langer Zeit hätte jedoch niemand über diesen Schreibstil gelacht. Es ist der Stil, den die meisten Leute benutzt hätten, wenn sie höflich und professionell rüberkommen wollten. Professionell schreiben, kann man lernen. Valentin Zahrnt* erklärt in seinem Ratgeber den gesamten Schreibprozess.

Tatsächlich hat dir dein Deutschlehrer wahrscheinlich einen ähnlichen Schreibstil beigebracht, als Du in der Schule warst. Eine blumige Sprache. Lange Absätze. Präzise Grammatik. Keine Kontraktionen.

Und dann kam das Internet. Mit der Zeit erkannte jeder, von Bloggern bis hin zu großen Unternehmen, dass ein dialogorientierter Schreibstil ein viel wirkungsvolleres Mittel ist, um deine Zuhörer einzubeziehen und mit ihnen in Kontakt zu treten.

Formales Schreiben verbirgt deine Persönlichkeit und kann dein Publikum an deiner Aufrichtigkeit zweifeln lassen. Es wirkt manchmal prätentiös, überheblich und ist zudem schlicht schwer zu lesen.

Wenn Du mit deinen Lesern oder Kunden in Kontakt treten willst und sie dazu bringen willst dir zu vertrauen, sprich mit ihnen wie mit einem guten Freund.

Die gute Nachricht ist, dass Schreiben im Gesprächsstil sehr viel Spaß machen kann. Die schlechte Nachricht ist, dass es manchmal schwierig sein kann, den Stil zu verlernen, der einem in der Schule oder auf der Uni beigebracht wurde. Für mich ist das schwerste beim Schreiben auf Quellen und Literaturhinweise zu verzichten – ohne die keine wissenschaftliche Arbeit auskommt. Einfach zu sagen, was man meint, ohne anzugeben woher diese Idee oder der Gedanken  kommt.

Deshalb eine 8-Schritte-Checkliste zum dialogorientierten Schreiben

Es ist dieselbe Checkliste, die ich verwende, um sicherzustellen, dass sich mein Schreiben so anhört, als ob ich mich mit einer Freundim im Café unterhalte und nicht so als ob ich eine Vorlesung auf der Uni halte.

Sie können diese Checkliste verwenden, wenn Du einen Blog-Beitrag, eine E-Mail oder einen Text für deine Website schreibst – also immer dann, wenn Du möchtest, dass dein Schreiben beim Lesern ankommt.

1. Schreibe an einen einzelnen Leser

Der erste Schritt, um dein Schreiben gesprächiger klingen zu lassen, besteht darin dir vorzustellen, dass Du an einen einzelnen Leser, eine gute Freundin schreibst, nicht an eine Menschenmenge.

Vergleiche zwischen diesen beiden Sätzen:

1.      „Für diejenigen unter Ihnen, die daran interessiert sind, können Sie hier mehr Einzelheiten erfahren“.

2.      „Für diejenigen unter Ihnen, die daran interessiert sind, mehr zu erfahren, können Sie hier alle Einzelheiten erfahren.“

Es ist nur eine subtile Änderung, aber der zweite Satz klingt viel persönlicher und freundlicher als der Erste.

Und, ja, das bedeutet, niemals eine E-Mail mit den Worten „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu öffnen.

Bonus-Tipp: Denke gut darüber nach, wer dein Publikum ist. Was sind ihre Hoffnungen und Ängste? Womit haben sie zu kämpfen? Welche Art von Witzen oder kulturellen Bezügen würden sie zum Lachen bringen? Schließlich würdest Du wahrscheinlich anders reden, wenn Du mit einer Gruppe von Rentnern in einem Ferienort ein freundliches Gespräch führen würdest als mit einer Gruppe von jungen Existenzgründern auf einer Konferenz.

2. Verwende die Wörter “Du”, “Wir” und “Ich”

Da Du deinen Leser als Individuum ansprichst, solltest Du so oft wie möglich das Personalpronomen „Sie oder Du“ verwenden und dich selbst auch als „Ich“ bezeichnen.

Normalerweise ist es offensichtlich, wo Du diese Personalpronomen verwenden kannst. Aber manchmal ist es etwas schwieriger zu erkennen.

Nehmen wir an, Du schreibst einen Satz wie diesen: „Oft fällt es den Menschen schwer, in solchen Situationen voranzukommen“.

Du kannst diese Aussage überzeugender machen, wenn Du den Leser direkt in den Satz einbindest: „Oft fällt es Ihnen schwer, in Situationen wie diesen voranzukommen.“

Worte wie „könnte“ oder „wahrscheinlich“ können helfen, die Aussage zu relativieren, damit sie nicht wie eine Predigt oder ein Vortrag wirken.

Je nach dem Kontext des Absatzes sollten Sie sich selbst und den Leser in den Satz mit einbeziehen: „Manchmal fällt es uns vielleicht schwer, in Situationen wie diesen voranzukommen“.

Das lässt dich für deinen Leser noch mehr wie einen Freund klingen.

3. Eliminiere passive Sätze

Passivsätze sind eines der verräterischen Zeichen des akademischen und technischen Schreibens. Wenn deine Schulzeit schon etwas länger her ist, kannst Du hier nachlesen, was Passivsätze sind. (Bei einem Passivsatz geschieht im Wesentlichen etwas mit einer Person oder Sache, die Handlung wird ausgeführt, anstatt sie auszuführen.)

Zum Beispiel benutzen Politiker und Führungskräfte in der Wirtschaft gerne die Passivstimme, wenn sie vermeiden wollen, die Verantwortung für einen Fehler einzufordern. Sie schreiben vielleicht: „Es wurden Fehler gemacht„.

Das ist ein netter kleiner Trick, denn dieser Satz vermeidet es, Verantwortung zu übernehmen, indem er uns nicht sagt, wer die Fehler gemacht hat.

Wie kann man es also besser machen?

Schreibe einfach: „Wir haben alle Fehler gemacht.“ Jetzt ist der Satz aktiv.

Wenn Du eine WordPress-Website hast, empfehle ich dir dringend, das Yoast SEO-Plugin zu installieren. Es weist dich auf passive Sätze, wenn Du einen Beitrag oder Inhalte für deine Seite schreibst.

4. Binde deine Leser mit rhetorischen Fragen ein

Stell dir vor Du sprichst mit einer Freundin. Wahrscheinlich suchst Du nach Hinweisen, dass er dir auch wirklich zuhört, was Du sagst. Vielleicht ein Nicken mit dem Kopf oder murmeln ein anerkennendes „mmhmmm“. Du kannst auch versuchen eine Antwort von ihr zu erhalten, indem Du ihr eine Frage wie „Findest du nicht auch?“ stellst.

Wenn du es richtig einsetzt, sind Fragen eine fantastische Möglichkeit, deine Leser auch in dein Schreiben einzubeziehen.

Aber: Übertreibe es nicht, sonst könnte sich dein Leser schnell fühlen, als sei er in ein Verhör gezerrt worden. Zweitens, vermeide fiese, offene Fragen wie „Wer möchte mehr über Chatbots erfahren?“ Dein Leser kann sarkastisch antworten: „Ich nicht„.

Stelle stattdessen rhetorische Fragen, die eine offensichtliche Antwort haben. zB: „Wie viel Zeit könnten Sie sparen, wenn ein Chatbot die Fragen Ihrer Kunden beantworten würde?“

Eine meiner Lieblingsmethoden, einen Satz in eine Frage umzuwandeln, ist es „richtig?“ an das Ende anzufügen. „Niemand steht gerne stundenlang in der Schlange vor der Zulassungsstelle, richtig?“

5. Halte deine Sätze und Absätze kurz

Lange Textblöcke schüchtern ein, besonders wenn man auf einem mobilen Gerät liest. Ich versuche Absätze zu schreiben, die nicht mehr als drei bis vier Sätze lang sind.

Und das ist normalerweise auch die Art, wie wir reden. Hast Du schon einmal jemanden gehört, der einfach nur redet und redet, der dich nie zu Wort kommen lässt und nie Luft holt? Es ist anstrengend, so jemanden zuzuhören.

Schaue dir deine Texte durch, um zu sehen, ob es irgendwelche langatmigen Sätze gibt, die Du verkürzen oder in zwei Sätze unterteilen kannst. Gibt es lange Absätze, die Du in mehrere Absätze unterteilen kannst?

Beim dialogorientierten Schreiben ist es in Ordnung, gelegentlich mal grammatikalische Regeln zu brechen.

6. Wähle deine Worte sorgfälltig

Als Erweiterung zu Tipp Nr. 5 versuche deine Sätze so einfach und klar wie möglich zu formulieren, indem Du dein Worte sorgfältig auswählest.

Anstatt z.B. deine Sätze mit zusätzlichen Wörtern wie „bei der Untersuchung der folgenden Situationen sehen wir, dass…“ aufzufüllen, kannst Du einfach schreiben: „Die folgenden Situationen zeigen…„.

Zusätzlich kannst Du, abhängig von deinem Publikum Umgangssprache verwenden, um dein Schreiben „lebendig“ klingen zu lassen. Aber das musst Du vorsichtig einsetzen. Es könnte deine Leser auch abschrecken.

Das Ziel besteht darin deine Stimme wieder zu spiegeln, nicht die eines beliebigen Teenagers.

7. Werde zum Geschichtenerzähler

Wenn wir mit unseren Freunden sprechen, tauschen wir Geschichten aus unserem persönlichen Leben aus. Selbst etwas so Banales wie das Verpassen einer U-Bahn kann zu einer Geschichte werden, die uns gemeinsam zum Lachen bringt.

Wenn wir persönliche Geschichten in unserem Schreiben teilen, können wir uns mit unseren Lesern verbinden und ihnen zeigen, dass sich ein Mensch hinter der Leinwand befindet. Im digitalen Zeitalter werden menschliche Verbindungen mehr denn je geschätzt. Deshalb sind Websites wie Humans of New York so beliebt.

Wenn Du Geschichten in deinen eigenen Texten verwendest, achte darauf, dass Du dich auf ein Thema konzentrierst, bei dem deine Geschichte nicht nur von dir handelt. Zeig ihnen, wie die Geschichte auch auf ihr eigenes Leben angewendet werden kann.

Das Extra: Bringe deine Persönlichkeit in dein Schreiben ein

Das ist eine gute Faustregel, an die Du dich halten kannst, wenn Du deine Artikel bearbeitest, um zu versuchen, ihn „gesprächiger“ zu gestalten. Ich empfehle dir ihn laut vorzulesen, da Du sehr schnell erkennen wirst, ob es Sätze gibt, die unnatürlich und gestelzt klingen.

Benutzt Du Wörter, die Du nie benutzen würdest, wenn Du dich mit deinen Freunden unterhalten würdest?

Gibt es Stellen, an denen Du ein bisschen Humor oder eine Geschichte einbauen kannst?

Das Fazit: Hab Spaß am Schreiben, lasse deine Persönlichkeit durchscheinen und versuche, wie die beste Freundin deiner Leser und Kunden zu klingen.


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